„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“

So mancheR BewohnerIn Moabits kennt wohl die vom Bezirksamt Mitte von Berlin (Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung) bezahlte Publikation „ecke turmstraße“. Dieses von vorauseilender Beflissenheit beseelte Blatt ist eigentlich ob seiner Geist- und Kritiklosigkeit schnarchlangweilig und daher auch nicht der Beachtung oder Erwähnung wert. Doch in der letzten Ausgabe (Nr. 9 – Dezember/Januar 2012/13) gab es zwei Beiträge von einer gewissen Ulrike Steglich, die deutlich die Grenzen des guten Geschmacks verletzten und in ihrer beleidigenden Intention eigentlich nicht hinnehmbar sind:

  • „Wer sind die Bürger“ (Seite 3) und
  • „Aggression hat viele Gesichter“ (Seite 6)

Wir von der Bürgerparkgruppe Moabit waren doch etwas verwundert, wie das Bezirksamt Mitte in seinem offiziösen Organ mit der Bürgerbeteiligung umgeht und wie man höhernorts über Bürgerengagement denkt. Bei soviel Wirlichkeitsverkennung waren wir erstmal sprachlos.

In diesen Tagen, wo die nächste „ecke“ in den Druck geht, erreichte uns ein Leserbrief an dieses Heft, der sich klar und konstruktiv zu diesen verunglückten Niederschriften äußert. Ob dort auch dieses Mal wieder die Kritik „unter den Tisch fällt“? Schauen wir mal. Hier der Brief:

(Heinrich Grimmling)

An die Redaktion der „ecke turmstraße“

„ecke turmstraße“ Nr 9  – 2012/13

Sehr geehrte Redaktion,
in den Beiträgen „Wer sind die Bürger?“ und „Aggression hat viele Gesichter“  pflegt die „ecke“ genau den Stil, den sie empörten Bürgern unterstellt. Sogar  die Möglichkeit und Bereitschaft, an einem Sonnabend an einer stundenlangen Planungswerkstatt teilzunehmen oder das Tragen eines Businesskostüms erscheinen da verdächtig in dem Sinne: “Ihr seid ja gar nicht die wirklichen Bürger!“.
Ich schlage vor, Sie begeben sich auf die Felder der Recherche und Information und befassen sich mit den folgenden Fragen:
     
– Prozentualer Anteil der Vegetationfläche im Kleinen Tiergarten  – jetzt und geplant –
– Prozentualer Anteil der Hecken und Gehölze – jetzt und geplant –
– Auswirkungen der Auslichtung auf die Vogelwelt im Park – Dazu kann man Fachleute befragen –                 
– Anzahl, Art, Alter und vermutliche Lebensdauer der zur Fällung vorgesehenen Bäume –
– Die Fähigkeit von Stadtparks, Feinstaub zu filtern, CO2 aufzunehmen und Sauerstoff zu produzieren –
– Genaue Benennung der Unterschiede zwischen dem neuesten und dem vorigen Entwurf von Latz & Partner.
      
Dann können Ihre Leser  urteilen, welche Veränderung des Parks sie für ihre Freizeitgestaltung wollen.
Dazu schlage ich Ihnen Interviews mit den Fachleuten der Umweltverbände BUND und NABU vor, deren Beiträge auf der Planungswerkstatt Sie nicht erwähnt haben.
Sie könnten sich auch mit dem Widerspruch befassen, den ich darin sehe, dass einerseits von meinen Steuergeldern im Kleinen Tiergarten eine erhebliche Anzahl Bäume gefällt werden soll, ich aber andererseits einen Aufruf vom Senator für Stadtentwicklung und Umwelt  – „Gemeinsam für Berliner Bäume“ –  bekomme, 500 €  zu spenden, damit dann mit weiteren 500 € von meinen Steuern ein Stadtbaum gepflanzt werden kann. Die „5 Gründe für Ihren Stadtbaum“ können Sie dem Flyer entnehmen. Sie gelten auch für die Stadtbäume in Parks.
Um Missverständnisse zu vermeiden, darf dieser Leserbrief nur ungekürzt veröffentlicht werden.

Helmi Saworski

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Nachtrag:

Die unabhängige Presse hat nicht über die Planungswerkstatt am 24. 11.21012 berichtet. Wer noch Informationen braucht, sollte mal hier reinschauen:

Bürgerinitiative Kleiner Tiergarten / Ottopark
Unbefriedigende Ergebnisse der 2. Planungswerkstatt “Kleiner Tiergarten“

Bürgerinitiative SilberahornPLUS
Wie war es bei der Planungswerkstatt am 24. Nov. 12 ?
Zur Berichterstattung über die Planungswerkstätten …

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Eine Antwort zu „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“

  1. vilmoskörte schreibt:

    Köstlich, da hat Herr Grimmling wohl etliches an Frust und Ärger in diese Aussage gesteckt: „Dieses von vorauseilender Beflissenheit beseelte Blatt ist eigentlich ob seiner Geist- und Kritiklosigkeit schnarchlangweilig und daher auch nicht der Beachtung oder Erwähnung wert„.

    Symptomatisch für das Demokratieverständnis einiger Gegner der Umgestaltung des KTO scheint mir, dass ein Leserbrief mit der Forderung verbunden wird, dass man ihn nur unverändert veröffentlichen darf. Keine Redaktion wird sich einer solchen Forderung beugen. Und hinterher, wenn dieses Pamphlet nicht veröffentlich wird, könnt Ihr gleich wieder herumheulen, dass Ihr missachtet werdet: „Da sieht man’s ja, habe ich ja gleich gewusst, die drucken das nicht ab“.

    Und überhaupt: Warum soll dieser Leserbrief ausgerechnet in diesem „geist- und kritiklosen schnarchlangweiligen Blatt, das nicht der Beachtung wert ist“, das ihr so rundherum ablehnt, veröffentlich werden? Welcher Logik folgen Eure Gedankengänge?

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