Umbaupläne für den Kleinen Tiergarten – eine schlichte Luftnummer?!

Der Kleine Tiergarten hat gewiss schon bessere Tage gesehen – und wie es aussieht, wird es wohl bald noch schlimmer kommen. Nachdem der Bezirk infolge der sich stets verschlimmernden Finanznot jahrzehntelang fast völlig auf die Pflege dieses grünen Kleinods im dichtbesiedelten Moabit verzichtet hat, sind nun plötzlich Geldmittel vorhanden, um hier endlich etwas zu tun:
Für die Umgestaltung des Parks sind einmalig Fördergelder im Rahmen des Bund – Länder – Programms „Aktive Stadtzentren“ verfügbar, um die Turmstraße durch Sanierungsmaßnahmen attraktiver zu gestalten. Der Kleine Tiergarten zieht sich am südlichen Rand dieser Bezirkshauptstraße entlang und ist aufgrund der mangelnden Pflege in den Fokus der Stadtplaner gerückt.
Das Problem dabei: wenn dieses Geld ausgegeben ist, ist keines mehr da, auch nicht für die Pflege dieses Gartendenkmals.
Die Lösung der Planer: das Grün wird soweit zurückgenommen, dass keine Pflege mehr nötig ist. Wenn keine Sträucher mehr da sind, müssen sie auch nicht mehr jedes Frühjahr zurückgeschnitten werden.
Es sollen Bäume gefällt, die Sträucher am Parkrand entfernt werden, damit „Licht und Luft“ die Bürger und Bürgerinnen wieder in den Park locken.
Durch die Ausdünnung der Parkränder aber wird die besondere Atmosphäre dieses schönen Parks vernichtet: wer heutzutage den Park betritt, wird umfangen von Grün und befindet sich plötzlich in einer anderen Welt – der Autolärm der umliegenden Straßen ist zwar noch zu hören, aber man ist dem grauen Beton wenigstens optisch entflohen. Demnächst soll es anders sein: von jedem Punkt des Parks werden die Straßen zu sehen sein, und grüne Oasen muss man sich dann woanders suchen.
Um solche radikalen Maßnahmen durchzusetzen, wurde tief in die rhetorische Trickkiste gegriffen: Der von der Verwaltung vernachlässigte Park wird plötzlich als „Angstraum“ bezeichnet. Dieses Wort aus dem Arsenal der Stadtplaner wird gerne verwendet, um drastische Eingriffe in die Struktur des öffentlichen Raumes zu rechtfertigen. Es ist allerdings nicht unumstritten:

„Dabei steht nicht die tatsächlich vorhandene Bedrohung im Vordergrund. In der Regel geschehen an solchen Orten nicht mehr Verbrechen als an anderen. Oftmals steht die Wahrnehmung von Gefährdungen der tatsächlichen Gefahrenlage deutlich entgegen.“ [Zitat: wikipedia]

Was die Planer wohl wirklich meinen, ist, dass fast jeder Besucher in diesem verwahrlosten Park ein Unbehagen empfindet, zumal sich zwischen den wuchernden Gebüschen eine Trinkerszene eingefunden hat und leere Flaschen, Zigarrettenkippen und andere Hinterlassenschaften wirklich nicht einladend wirken. Eine Pflege des Parks aber würde diesen Zustand ändern.
Leider ist bei den bisherigen Planungen die Bürgerbeteiligung zu kurz gekommen. Der Druck des Geldes, das ja in einem bestimmten Zeitrahmen ausgegeben werden muß, ist wohl so groß, dass eine offene Diskussion als nicht sinnvoll betrachtet wird.
Daher haben wir uns entschlossen, die Pflege des Parks teilweise selbst zu übernehmen. Die Pflege einzelner Beete hat schon erste Erfolge gezeigt, und wenn wir möglichst viele werden, wird es im Kleinen Tiergarten schon bald wieder viele angenehme Aufenthaltsorte geben.

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4 Antworten zu Umbaupläne für den Kleinen Tiergarten – eine schlichte Luftnummer?!

  1. Lisa schreibt:

    Na, das ist ja mal auf den Punkt gebracht. Toller Beitrag, macht weiter so.
    Euer Blog gefällt mir gut, recht informativ. Wenn ich es zeitlich schaffe, schaue ich auf jedenfall bei Eurem Montagstreff vorbei. Gegen solche Vorhaben, muß man sich einfach zusammen tun.
    LG Lisa

    • moabiterleben schreibt:

      Schön, wenn Dir der Artikel gefallen hat.
      Noch schöner wäre es, wenn Du montags mal bei uns vorbeischauen könntest.
      Und am schönsten wäre es, wenn Du auch die Zeit hättest, ein wenig bei der Gartenarbeit zu helfen. Der Kleine Tiergarten würde sich freuen…

  2. vilmoskörte schreibt:

    Den tatsächlich vorhandenen Angstraum mit obiger Argumentation beiseite zu wischen, passt gut zum allgemein demagogischen Vorgehen der „Baumschützer-Fraktion“. Angst ist ein subjektives Gefühl, dass unbeeinflusst von jeder Kriminalstatistik erlebt.

    Und wenn es nicht die Angst ist, dann ist es die durchgehende Hässlichkeit des Parks in weiten Bereichen – eigentlich ist nur die Liegewiese brauchbar und ein kleine Beet daneben, dass die Menschen vom Gartenbauamt hergerichtet haben. Und es werden auch nur diese beiden Bereiche genutzt. Die dunklen Stellen rund um den Park und im Senkgarten sind durchgehend hässliche und unwirtlichen Orte, an denen sich niemand gerne aufhält, außer ein paar wirklich zwielichtige Gestalten, die hier u.a. gelegentlich mit Drogen dealen oder sich einen Schuss setzen, ihren Müll abladen oder den Park zu einem – ich muss es jetzt mal so drastisch sagen – Scheißhaus umfunktionieren. Im Park muss drastisch ausgelichtet werden, Sträucher und Bäume müssen in erheblichem Maße entfernt werden, damit Licht und Sonne auch in diese dunklen Eckend des Parks kommen und die gesamte Fläche zu einem Park für alle wird.

    Und natürlich könnt Ihr gerne darüber lamentieren, dass es aus dem Programm Aktive Zentren nur Geld für den Umbau, aber keines für die Pflege in den nächsten Jahren gibt. Aber das ist nun mal so, und wir müssen damit leben, dass auch weiterhin nur 43 Cent pro Quadratmeter im Jahr für die Pflege zur Verfügung stehen werden. Und wenn die Pflege, wie man der Presse entnehmen kann, demnächst privatisiert wird, glaube ich kaum, dass es besser wird. Auch aus diesem Grund ist das Ausdünnen erforderlich und muss der Park pflegeleichter werden. Nur so kann mit den Mitteln, die jetzt eingesetzt werden, ein nachhaltiger positiver Effekt erreicht werden.

    Es muss so weiter gehen, wie es im Ottopark erfolgreich durchgeführt wurde. Meine volle Unterstützung haben Latz + Partner jedenfalls.

    • moabiterleben schreibt:

      Lieber vilmoskörte,

      danke für Ihr Interesse an diesem wirklich spannenden Thema.

      Den Angstraum „beiseitezuwischen“ haben wir gar nicht vor, der Ausdruck ist ja für eine ernsthafte Diskussion gar nicht brauchbar. Wir hatten im Artikel ja schon darauf hingewiesen, dass das Wort Unbehagen viel besser passt – aus den Gründen, die Sie in Ihrem Kommentar noch einmal zusammenfassend wiederholt haben. Auch möchten wir darauf hinweisen, dass uns eine „Baumschützerfraktion“ nicht bekannt ist: wir sind freie, engagierte Bürger und schließen uns nicht zu Parteien oder Fraktionen zusammen, sonder zu (Garten-)Arbeitsgruppen.

      Die von Ihnen empfundene „durchgehende Hässlichkeit“ des Parks resultiert aus dem schlechten Pflegezustand, und wo es ungepflegt aussieht, fühlen sich einige Mitmenschen wohl, die durch ihr Betragen andere Parkbesucher abschrecken.Daher ist es wirkich nötig, den Garten an vielen Stellen kräftig auszulichten und regelmäßig zu pflegen, aber bitte mit etwas Feingefühl und mit Rücksicht auf die noch vorhandenen Elemente der Alverdes-Planung (- wg. Denkmalschutz). Die Parkränder sollten unbedingt als dichte Hecken erhalten bleiben, um die Parkbesucher vor dem Anblick des Straßenverkehrs zu schützen und die besondere Atmosphäre des Parks zu erhalten.

      Wir, die Bürgerparkgruppe Moabit, wollen nicht lamentieren – dafür haben wir nämlich gar keine Zeit. Stattdessen wollen wir anpacken und die Pflege vieler Bereiche selbst übernehmen – ehrenamtlich, also kostenlos. Die Arbeit hat schon begonnen – zwei Beete sind schon gepflegt. Vielleicht haben Sie ja auch Lust, ein wenig bei uns mitzuarbeiten. Es gibt viel zu tun, jede helfende Hand ist uns willkommen, damit wir zusammen die wahre Schönheit des Parks wieder freilegen und erhalten können.

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